FDP Ortsverband Zierenberg

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Rede zum Haushalt 2011 in der Stadtverordnetenversammlung am 31.Januar 2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hessen und Deutschland sind im Aufschwung.

Die Wirtschaftslage ist hervorragend und wir haben die beste Arbeitsmarktsituation seit 20 Jahren.

Nach einem Rückgang des BIP von 5% im Jahr 2009 haben wir in 2010 ein Wachstum des BIP von 3,7% und im laufenden Jahr wird ebenfalls ein Wachstum, wenn auch in abgeschwächter Form prognostiziert.

Für unseren Haushalt 2011 erleben wir aber mit Zeitverzögerung  jetzt die Nachwirkungen der Krise.

Zum Beispiel bei den Schlüsselzuweisungen:

Nach 1,8 Mio EUR in 2008 und 1,705 Mio EUR in 2009 haben wir für 2010 nur noch 1,301 Mio EUR ausweisen können. 

Während im Mai 2010 die Steuerschätzung für Zierenberg eine Schlüsselzuweisung von nur noch 1,077 Mio Euro vorsah, können wir auf Basis der November 2010 Steuerschätzung bereits jetzt schon wieder von 1,274 Mio Euro d.h. 197 Tsd. Euro  mehr ausgehen. 

Dies wird unseren defizitären Haushalt 2011 nicht retten, aber es macht deutlich, dass es für unseren Haushalt 2011 schlimmer erwartet worden ist.

Hätten wir noch die kammerale Haushaltsbuchführung könnten wir heute einen ausgeglichenen Verwaltungshaushalt beschließen, denn früher wurden die Abschreibungen nicht berücksichtigt. 

Unserem für 2011 ausgewiesenen Defizit von 906 TEUR stehen Abschreibungen von 1,157 Mio EUR gegenüber. 

Nun ist die Doppik aber die ehrlichere Art der Buchführung, denn es werden mit den Abschreibungen auch der Verbrauch und Wertverlust des Anlagevermögen dargestellt. 

Dieser Verbrauch an Anlagevermögen muss durch entsprechende Einnahmen in der Doppik ausgeglichen werden.

Für die Wiederbeschaffung und – Herstellung stehen dann entsprechende Rücklagen zur Verfügung. 

An dem Zustand unserer Straßen sehen wir augenfälligsten, dass in den vergangenen Jahren der kammeralen Buchführung eben keine entsprechenden Rücklagen für Erneuerungen gebildet wurden. 

Auf der anderen Seite werden einige Ausgaben, die früher im Vermögenshaushalt verbucht worden wären, jetzt im Ergebnishaushalt dargestellt. 

Zum Beispiel im Bereich Abwasser:

Hier sind 150 TEUR für die Erneuerung des Rechens in der Kläranlage Zierenberg vorgesehen; 250 TEUR sind für den Einstieg in die nach der EKVO notwendigen Kanalsanierung in allen Stadtteilen zur Erfüllung gesetzlicher Auflagen eingestellt. 

Und weitere 85 TEUR sind im wesentlichen für die vorbereitenden Arbeiten zur Einführung der gesplitteten Abwassergebühr vorgesehen. 

Im letzteren Fall empfehle ich mit den Ausgaben die etwaigen gesetzlichen Änderungen in diesem Jahr noch abzuwarten. 

Diese Summen betragen zusammen 485 TEUR und machen über die Hälfte des Defizits im Ergebnishaushalt aus.

Dabei handelt es sich meines Erachtens um Ausgaben, die doch über Gebühren im Abwasserbereich umlagefähig sein müssten.  

Auch die Gemeinschaftshäuser sollten unserer Auffassung nach wirtschaftlich optimaler geführt werden.

Statt Einsparungen sind im Haushalt 2011 gegenüber dem Ergebnis 2009 eine Erhöhung des Defizits von insgesamt 59 TEUR ausgewiesen,

dies entspricht einem Plus von 25% ! 

Davon entfallen auf Sachkosten eine Steigerung von 12 TEUR, auf Personalkosten von 8 TEUR und auf die interne Leistungsverrechnung 27 TEUR.

Diese Kostensteigerung ist für uns bisher nicht nachvollziehbar. 

Und mit der Vermarktung unserer noch unverkauften ca. 30 Baugrundstücken in Oberelsungen und Oelshausen wird noch ein großes Problem zu lösen sein.

Hier könnten wir uns auch erweiterte Nutzungsmöglichkeiten der Grundstücke vorstellen.

Es könnte damit vielleicht ein größerer Interessentenkreis angesprochen werden.

Der Schlüssel für die Erreichung ausgeglichener Haushalte in der Zukunft liegt nicht nur im Sparen und der Verabschiedung von Haushaltssicherungskonzepten, sondern auch im Bemühen die Einnahmeseite proaktiv zu verbessern. 

Deshalb setzen wir uns für weitere Betriebsansiedlungen in Zierenberg und den Ortsteilen ein, damit die Basis auf der wir die Einnahmen erhalten, vergrößern. 

Auch sollten wir die Chancen des neu entstehenden interkommunalen Industrie- und Gewerbegebietes am Flughafen Kassel-Calden nutzen und uns dort mit einem einstelligen Prozentbetrag beteiligen. Wie ich hörte gibt es dort Vorstellungen insgesamt 20% für derartige Beteiligungen zur Verfügung zu stellen.

Die Einnahmen der Stadt müssen auf Dauer die Ausgaben übersteigen, denn nur so ist das oberste Ziel, der Schuldenabbau zu erreichen. 

Die mittelfristige Finanzplanung weist jedoch eine Erhöhung der Schulden im Haushalt aus.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Stadt bei der HLG entsprechende Verpflichtungen eingegangen ist, die im Haushalt nicht ausgewiesen sind. 

Eine Erhöhung der Schulden ist jedoch nur gerechtfertigt und sinnvoll, wenn dem gegenüber Investitionen erfolgen, die das Anlagevermögen der Stadt in entsprechender Höhe verbessern und laufende Ausgaben zum Beispiel durch Wärmedämmung unserer Gebäude auf Dauer reduziert werden können. 

Die Erhöhung der Schulden zur Finanzierung von Defiziten im Ergebnishaushalt ist nur kurzfristig und unter Berücksichtigung von außergewöhnlichen Ereignissen, wie zum Beispiel der jetzt überwundenen Wirtschaftskrise zu rechtfertigen.

 Dies ist kein Wunschhaushalt sondern eine Notwendigkeit. 

In unseren Abwägungen, in der Verantwortung für die Stadt Zierenberg und in der Zuversicht, dass der derzeitige Aufschwung in der Wirtschaft unserer Stadt in den nächsten Jahren wieder höhere Einnahmen erwarten lassen, stimmen wir diesem Haushalt und dem Haushalts-Sicherungskonzept notgedrungen zu.