Anmerkung der F.D.P.:
Wir unterstellen niemanden gegen
geltendes Recht verstoßen zu haben. Der Antrag wurde im Januar 1999 auf Wunsch
des Bürgermeisters von der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung ohne
Diskussion gestrichen; eine Abstimmung in der Sache fand damals nicht statt.
Extra
Tip Lokales 15.Nov.2000
Ganz klamm-Heim-lich
Lieber Häuschen statt Schule: Wird in
Zierenberg
die Zukunft für mehr als 180 Schüler verbaut?
Von Jan H.Neumann
ZIERENBERG – Sie platzt aus allen Nähten: die Fritz-Hufschmidt-Schule,
eine Grundschule mit Sprachheilklasse und Betreuungsangebot. Aus Raumnot wird
hier sogar im Keller unterrichtet. Auf den Grundstücken nebenan könnte die
Schule erweitert werden. Eines schönen Tages, wenn wieder Geld da ist. Doch
jetzt liegt ein folgenschwerer Antrag auf dem Tisch: Plötzlich sollen dort
Privatleute bauen dürfen.
Eingebracht hat diesen Antrag – auf Änderung des Bebauungsplans "Schreckenberg 2" – der CDU-Abgeordnete Kurt Ledderhose. "Diese Grundstücke gehören Zierenberger Bürgern", kommentiert er. "Und ich vertrete schließlich die Bürger dieser Stadt".
Das tun auch andere. Wie etwa der FDP-Abgeordnete Helmut von Zech. Der berichtet, daß es bereits im November 1998 eine ähnliche Vorlage gegeben hatte. Doch die war – ganz ohne Abstimmung klammheimlich wieder in der Schublade verschwunden.
"Merkwürdig, daß der Antrag jetzt wieder da ist", wundert sich von Zech.
Denn die Verhältnisse sind die gleichen wie vor zwei Jahren – sie sind eher noch schlimmer. So muß mittlerweile eine komplette Schulklasse mit 20 Kindern im Keller unterrichtet werden. "Ja die Kellerkinder" seufzt Hannelore Eilmes, seit 21 Jahren Lehrerin an der Fritz-Hufschmidt-Schule. "Auch der Schulhof ist eigentlich viel zu klein für unsere 180 Schüler."
Wollte man die Schule eines Tages erweitern, so ginge das nur auf den jetzt im Rampenlicht stehenden Grundstücken. Doch genau die sollen nun privat bebaut werden dürfen – wenn der Antrag durchkommt. Und das könnte gut passieren: Denn die Zierenberger Stadtverordneten sind allesamt schon ein paar takte älter. Kaum einer hat kleine Kinder. "Denen ist das doch egal", vermutet Hannelore Eilmes. "Die sind selbst nicht betroffen. Aber alle Eltern, die kleine Kinder in die Schule schicken, sind furchtbar erbost."
Dabei herrscht in Zierenberg kein Mangel an Bauland. Im Gegenteil: Laut aktueller Planung werden im Lauf der nächsten 15 Jahre mehr als 180 Grundstücke zur Bebauung freigegeben. Was natürlich auch den Zuzug vieler Familien bedeutet. Mit eines Tages schulpflichtigen Kindern. Für die der knappe Platz in der Fritz-Hufschmidt-Schule wohl kaum ausreichen wird – ohne Schulerweiterung. So sieht das auch die Schulleitung, die Gesamtkonferenz und der Landkreis. "Wenn neben der Schule privat gebaut wird, verbauen wir da unsere Möglichkeiten für die Zukunft", meint Helmut von Zech. Warum der Antrag trotzdem zum zweiten Mal auf den Weg geschickt wird? "Es sieht ganz nach einer Gefälligkeitsgeschichte aus", vermutet er. Doch wer will da wem gefallen?
"Ich habe nur den Antrag von Herrn Ledderhose unterstützt", sagt Robert Göbel, SPD "Ich hänge da nicht mit heißem Herzen dran."
Das kalte Herz von Zierenberg. Denn der Architekt Göbel hat offenbar keinen Grund für private Gefälligkeiten. "Wenn, dann wird da wohl ohnehin ein Fertighaus draufgesetzt."
Schön zu wissen, daß Politik so einfach sein kann. Oder, wie es der Politiker Göbel so treffend formuliert: "Wenn es Argumente dagegen gibt, tendiere ich dazu zu sagen: Wenn´s nicht geht, dann geht´s halt nicht." Naja – Dann eben nicht.